35 km + 10 Fahrräder = Bildungsreise

Eine Radtour der besonderen Art sollte es werden, die 10 unserer Mitglieder und Freunde am Sonntag, dem 21. Juli 2013, bei strahlender Sonne und mit den guten Wünschen von nicht so mutigen Ehefrauen und Nachbarn begleitet, unternahmen.

Sicher wäre es angenehmer gewesen schon morgens um 7 Uhr aufzubrechen. Aber wer will schon so früh aufstehen? So starteten mit  gut aufgepumpten Reifen, straff gespannten Ketten und nur leichtem Gepäck (etwas Obst, Wasser und Brötchen) um 10.35 Uhr 4 Frauen und 6 Männer zwischen Teenager – und Rentneralter Richtung Hamburger Hafen.

Der erste Teil der Strecke war den meisten gut bekannt: an der Bille entlang nach Tiefstack und Entenwerder- Rothenburgsort, da war man doch schon mal gewesen. Aber es ging weiter ins Hafengebiet hinein: über die Freihafen-Elbbrücken und den Veddeler Damm entlang. Am Sonntag überall freie Fahrt, kein LKW- kein Bahnverkehr. Von dem Betrieb, der hier tagtäglich abgeht keine Spur!

Dann die Überraschung: Schuppen 50 am Hansahafen. Dort befindet sich seit ein paar Jahren das Hafenmuseum, was eine Abteilung des Museums der Arbeit in Barmbek ist. Weil wir noch einiges an diesem Tag vorhatten, nahmen wir uns nur eine gute Stunde Zeit dafür. – Schade! – Da könnte man einen ganzen Tag zubringen und hätte noch nicht alles gesehen. Wer sich anmeldet, kann sich von Hafenrentnern kompetent herumführen lassen. Erstaunlich ist auch der Schuppen selbst. 1908 gebaut und immer noch prima in Ordnung. Das riesige Holzgebälk im Dach verrät, dass die Zimmerleute vor über 100 Jahren ihr Handwerk verstanden! Ein komplette Lotsenkammer aus Brunsbüttelkoog ist zu besichtigen mit einigen interessanten Erklärungen über die Elblotsenbrüderschaft. Wer hätte gedacht, dass Trunkenheit im Dienst mit Cassation bestraft wird. Ich war ja erst mal erschrocken, bis ich begriff, dass man das Lotsenpatent kassiert – nicht, was ich zuerst dachte….

Toll anzusehen sind auch die Waggons der Hafenbahn und ein kräftiger Sauger, der noch bis vor wenigen Jahren die Hafenbecken und die Elbe vor dem Verschlammen bewahrte und Schuten und Kräne und die MS Bleichen und und…..

Interessiert beobachteten wir auch die tollkühnen Bungee-Jumper, die den alten Kran hochkletterten, um sich dann mit Gebrüll in die Tiefe zu stürzen. Das kostet natürlich extra – aber wer will das schon?  Wir jedenfalls nicht. Für uns ging es weiter zu einem Aussichtspunkt am Afrikahöft mit einem wunderbaren Blick auf die neue Hafencity und den etwas schadhaft in den Himmel ragenden Eckzahn der Elbphilharmonie… mal sehen, ob wir die Einweihung noch erleben dürfen. Bezahlen müssen das dann unsere Urenkel.

Der weitere Weg führte uns durch das Hafengebiet zum alten Elbtunnel. Daneben wieder ein schöner Blick auf unsere stolze Stadt, die doch nie so groß und so schön geworden wäre ohne ihren Hafen. Dieser Hafen ist unsere Industriekultur wie in Essen die Zeche Zollverein mit dem Unterschied, dass unsere Industrie noch lebt und weiterleben muss, damit wir und unsere Kinder noch lange gut davon haben  (und die Elbphilharmonie auch finanzieren können)

Am Wochenende sind die großen Aufzüge im Elbtunnel nicht im Betrieb und so dauerte es ein bisschen, bis alle mit ihren Fahrrädern in den Personenfahrstühlen runter und auf der anderen Seite wieder raufkamen. Am Grasbrookhafen gegenüber dem Extrembau von Unilever gönnten wir uns dann noch ein Eis (ohne Streusel, die waren schon 3 Tage alt, das wollte der Eismann uns nicht zumuten) Und in Entenwerder konnten wir fast zum Abschluß unserer Tour im Entenwerder Fährhaus – von 1872 – Bier, Wasser Brause und sehr dicke lange Bockwürste mit echtem Butterbrot geniessen und saßen dabei im Schatten unter hohen alten Bäumen und dachten an die Flut von 1962 als das alles tief unter Wasser war.

Ja, und dann waren wir auch froh als wir wieder zu Hause unter die Dusche konnten.